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Weimarer Kunstgewerbeschule
Henry van de Velde, Gebäude der Kunstgewerbeschule in Weimar, 1904-11
Fagus-Werk in Alfeld/Leine
Walter Gropius und Adolf Meyer, Fagus-Werk in Alfeld/Leine, ab 1911

Vorgeschichte

"Von Morris zum Bauhaus" lautet ein längst zum Schlagwort gewordener Buchtitel, der das Bauhaus in eine Entwicklungslinie einspannt, die bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts nach England zurückreicht. Der Künstler William Morris (1834-1896) war der Begründer und Wortführer einer Reformbewegung, die die kulturzerstörerischen Folgen der Industrialisierung bekämpfen wollte. In seinen Werkstätten wurden ab 1861 alte Handwerkstechniken wiederbelebt und hochwertige Güter wie Stoffe, Teppiche, Glasmalereien, Möbel und Gebrauchsgerät produziert. Ein eigener Verlag, die "Kelmscott Press", stellte Bücher her, die dem Jugendstil den Weg ebneten.

Morris löste eine Reformwelle aus, die später auch Deutschland erreichte, wo die Industrialisierung erst nach der Reichsgründung 1871 eingesetzt hatte. Auch Deutschland erkannte, daß gut gestaltete Industriegüter ein erheblicher Wirtschaftsfaktor waren: Man studierte das englische Ausbildungssystem, um dann die Kunstgewerbeschulen zu reformieren. Eine ganze Generation von Malern begriff nun die angewandten Künste als wichtigste Aufgabe. Die Dresdner Werkstätten (1898), deren Maschinenmöbel Richard Riemerschmid entworfen hatte, sind das bekannteste Beispiel zahlreicher Werkstättengründungen auf deutschem Boden. In Österreich entstand 1903 die Wiener Werkstätte, deren bedeutendste Vertreter Josef Hoffmann und Koloman Moser waren.

Besondere Bedeutung als Wegbereiter für das Bauhaus hatte der Belgier Henry van de Velde, der seit 1897 in Deutschland tätig war und 1907 die Kunstgewerbeschule in Weimar begründete. Sie wurde zum direkten Vorläufer des Bauhauses, das dann in van de Veldes Schulgebäuden seine Arbeit aufnahm.       

1907 gründeten in München Künstler und Industrielle den Deutschen Werkbund, der durch die "Veredelung der gewerblichen Arbeit" ebenfalls Deutschlands wirtschaftliche Stellung verbessern sollte. Der junge Architekt Walter Gropius gehörte bald zu den führenden Köpfen des Werkbundes. Im Sinne seines Lehrers Peter Behrens propagierte er den Industriebau als wichtigste Bauaufgabe der Gegenwart. Beim Faguswerk in Alfeld/Leine, das er ab 1911 zusammen mit seinem Partner Adolf Meyer errichtete, realisierte er eine der frühesten gläsernen Fassaden, die später zu einer Inkunabel des modernen Industriebaues wurde. In einer Musterfabrik für die Werkbundausstellung 1914 suchte er nach einer ausdruckskräftigen, beseelten Sprache für die seiner Meinung nach zeitgemäßen, aber ausdruckslosen Baumaterialien Eisen und Glas und kombinierte gläserne Treppentürme mit ägyptisierend-monumentalen Bauformen.

1919 gelang es Gropius, seine Ideen zur Kunstschulreform mit der Gründung des Bauhauses in Weimar durchzusetzen. Damit hatte Gropius nicht nur wesentliche Vorstellungen des Werkbundes zur Kunstschulreform umsetzen können, er hatte auch die Aufbruchstimmung einer jungen Generation erfaßt, die das nach dem Ersten Weltkrieg bankrotte Deutschland neu aufbauen wollte. Der Name Bauhaus schien dies zu versprechen, und der expressionistische Stil, in dem die Kathedrale Lyonel Feiningers auf dem Titelblatt des Bauhaus-Manifestes zur Mitarbeit einlud, galt als zeitgemäß und zukunftsweisend.