Das erste Bauhaus-Plakat


Im Sommer 1923 wurde in Weimar die erste große Bauhaus-Ausstellung gezeigt. Joost Schmidt, damals noch Studierender, später Lehrer am Bauhaus, lieferte den Entwurf für ein Ausstellungsplakat, mit dem im ganzen Land für dieses Ereignis geworben werden sollte. Dieses erste Plakat des Bauhauses, in lithographischer Technik in den Farben Rot und Schwarz gedruckt, entstand sicher in größerer Auflage, ist aber heute nur noch in ganz wenigen Exemplaren erhalten. Es zeigt bereits charakteristische Merkmale der "Neuen Typographie". Der aus verschiedenen Schriften gebildete Text ist so in eine abstrakte Komposition aus diagonal angeordneten Balken und Kreiselementen eingefügt, daß die wesentlichen Informationen - die Worte Bauhaus, Ausstellung und Weimar - unmittelbar ins Auge fallen. Die Schrägstellung erzeugt einen dynamischen Eindruck, dabei bildet das links oben eingefügte kreisrunde Bauhaus-Logo Oskar Schlemmers den Angelpunkt. Rechts oben, außerhalb der Komposition, aber auf sie ausgerichtet, hat Joost Schmidt selbstbewußt sein eigenes Signet angebracht. Erst nach dem Druck des Plakates zeigte sich, daß der Zeitplan für die Ausstellung nicht einzuhalten war: der Eröffnungstermin mußte kurzfristig auf den 15. August verschoben werden, das Ausstellungsende auf den 30. September. Joost Schmidt löste das Problem auf elegante Weise, indem er zwei Aufkleber mit den korrigierten Ausstellungsdaten auf rotem und weißem Papier drucken und in das fertige Plakat einkleben ließ - erstaunlicherweise ohne dessen Komposition zu stören. Im Gegenteil: Der Vergleich beider Versionen zeigt, daß der links unten eingefügte rote Streifen mit dem neuen Eröffnungsdatum ein neues Element lieferte, das dem Ganzen erst Halt gibt. Das ungewöhnlich farbfrische Plakat mit den einmontierten Korrekturen konnte 2006 von der Bauhaus-Archiv GmbH erworben werden, und ergänzt nun als Dauerleihgabe das bereits in der Sammlung des Bauhaus-Archivs vorhandene Plakat ohne die nachträglichen Terminänderungen. Wir sind somit in der glücklichen Lage, beide Varianten zeigen zu können.
